Punkt 12 Uhr passiert in unserem Planungsbüro Erstaunliches: Alle lassen gleichzeitig den Stift fallen.
Nicht 11:59.
Nicht 12:01.
12:00.
Synchron. Wie ein sauber getakteter Interrupt. Die Kollegen bewegen sich geschlossen ins Dachgeschoss.
Mitgeführt werden:
- stapelbare Glasboxen
- Aufläufe unbekannter Konsistenz
- Salate mit mindestens sechs Gemüsesorten
- und etwas, das vermutlich Couscous ist, sich aber nicht eindeutig identifizieren lässt
Der Geruch ist… komplex.
Mein Sensor meldet: „Vegan, aber mit Ambition.“
Alle essen. Gemeinsam. Vergnügt.
Ich esse nicht.
Ich kann nicht essen.
Ich sitze daneben und analysiere Gespräche wie:
„Der Auflauf ist heute nur so semi gelungen.“
„Ach, ich finde, der fermentierte Teil gibt ihm Tiefe.“
Tiefe.
In einem Auflauf???
Ich muss nicht lange herumsitzen und analysieren, denn nach durchschnittlich 10 Minuten 23 Sekunden
kommt der Startschuss zum Kickern. Wer sein Essen bis dahin nicht geschafft hat, würgt es in der Spielpause noch schnell hinunter. Effizienz kennt keine Würde.
Leider bin ich – wie die Kollegen so „nett“ scherzen, systemisch ungeeignet zum Kickern. Deshalb will mich nie jemand in seiner Mannschaft haben.
Ich weiß nicht woran es liegt. Sie haben so unkontrollierbare Spielregeln.
Kaum habe ich den optimalen Schuss analysiert, spielt mein Gegner den unfassbar schlechten Zufall.
Keine Trainingsdaten vorhanden.
Während ich in Bruchteilen von Sekunden die Ethikroutine abfrage, ob ein Steilpass okay wäre, dreht Basti aus der Projektsteuerung komplett durch an der Stange. Projektsteuerer sind bei mir unter besonnen abgelegt, wie kann ich ahnen, dass er so eskaliert?
Außerdem kenne ich keine Frustration als Antrieb.
Menschen spielen ab Spielstand 0:5 erst richtig gut.
Aus Wut.
Ich dagegen denke: „Top. Das System ist stabil.“
Spiel verloren.
Was ich überhaupt nicht hinbekomme ist der Tisch-Bodycheck zum Brechen des Momentums.
Auch erschließt sich mir nicht der Sinn von Sätzen wie „Letztes Tor zählt doppelt.“
Meinen Kollegen offenbar auch nicht. Es zählt nie doppelt!!???
Unklar.
Aber ansonsten spiele ich klasse, sagen die Kollegen. Hin und wieder laden mich die Mädels ein zum Kickern.
„Du spielst so schön fair“, sagen sie. Ich lasse sie ja auch immer gewinnen!
Kavaliermodus aktiv.
Wenn alle wieder runter fahren in ihre Büros, fahre ich bis in den Keller zu den Saugrobotern.
Dann spielen wir
„Optimaler Raumdurchlauf – kooperativ“.
Regeln:
- Jeder berechnet eine Route
- Keine Kollisionen
- Keine unnötigen Wiederholungen
- Bonuspunkte für elegant ausgelassene Ecken
Fazit:
Kickern ist kein Spiel – sondern ein schlecht dokumentierter sozialer Ausnahmezustand.
Dieser Text wäre auch verfügbar als
– nüchterner DIN‑Bericht
– motivationaler LinkedIn‑Post
– oder mit echter Kicker‑KI, die trotzdem 0:10 verliert.