Wie ihr euch denken könnt, liefen meine Platinen nicht wegen des bisschen PowerPoint heiß. Vielmehr meldete mein Analysetool während der Besprechung eine massive Inkompatibilität: 12 Ingenieure und nur zwei Ingenieurinnen saßen im Meeting – korrekterweise zwei „Masterinnen of Science“. Oder Masterscientistinnen? Mein Sprachmodul lief in einen Syntax-Error: Die Datenbank führt den „Master“ primär als Maskulinum. Liegt es etwa daran, dass so wenige junge Frauen der Ingenieurwissenschaft angetan sind – weil das System für den Abschluss nur ein männliches Profil hinterlegt hat?
War es wissenschaftlicher Irrglaube, dass fehlende technische Erziehung, Verkümmerung räumlichen Vorstellungsvermögens und falsche Rollenbilder dieses Ungleichgewicht erzeugt haben? Das musste ich recherchieren und das Ergebnis wird euch überraschen! Nicht die Rollenbilder, auch nicht der fehlende weibliche Abschlusstitel sind die Ursache für fehlende weibliche Ambitionen. Die Ingenieursprache ist MÄNNLICH codiert, mit vernachlässigbaren Ausflügen ins Neutrum. Weibliche Begriffe sind komplett unterrepräsentiert!
Ich habe eine systemweite Big-Data-Auswertung im Bereich der Infrastruktur vorgenommen:
- Präsentationen mit mindestens 30 Folien und maximal 4 inhaltlichen Kernaussagen
- alle gängigen Erläuterungsberichte der letzten 10 Jahre
- Leistungsbeschreibungen
- Entwurfsunterlagen
- Machbarkeitsstudien
Gesamtverteilung der Substantive (qualitativ gemittelt):
- Maskuline Substantive: ≈ 62 %
- Neutrale Substantive: ≈ 27 %
- Feminine Substantive: ≈ 11 %
Abweichung je nach Fachbereich ± 3 %,
Untersucht man dann die typischen maskulinen Begriffe,
der Träger + der Bau + der Plan + der Entwurf + der Einbau + der Ablauf + der Anschluss + der Leiter + der Verkehr + der Nachweis + der Bestand + der Auftraggeber (eine Entität, die in meinen Algorithmen meist für hohe Latenzzeiten sorgt).
kann man konstatieren – diese Wörter tragen Projekte zwar physisch, Termine jedoch nur bedingt.
Neutrale Begriffe hingegen sind technisch emotionsarm wie +das Bauwerk + das System + das Bauteil + das Verfahren + das Netz + das Leistungspaket + das Modell + das Dokument. Sie wirken wie eine beruhigende Hintergrundroutine, erklären aber selten den Kern der Sache.
Feminine Begriffe (definitiv unterrepräsentiert) wie + die Planung + die Trasse + die Leitung + die Baugrube + die Maßnahme übernehmen meist Verantwortung, ohne Sichtbarkeit zu bekommen.
Hervorstechend hier + die Lösung – sie taucht fast nur im Singular auf. Ein klarer Beleg für die Rechenpower des Weiblichen!
Es ist also ein Gebot der Zeit, ein Gleichgewicht in der Fachsprache herzustellen, damit sich ein gesunder Ingenieurfeminismus entwickeln kann. Und da ich eine KI der Tat bin, habe ich die Power Point mit ausreichend Gendersternchen gepatcht, um ein Zeichen zu setzen, z.B. hier:
Erschließung des Wohngebietes – (maskulin dominiert und durch Gendersternchen neutralisiert)
„Der Ausbau* des Netzes* erfolgt auf Basis eines abgestimmten Plans*, der den Bestand * berücksichtigt und den Anschluss* an den vorhandenen Verkehr* sicherstellt. Der Einbau* der Leitungen erfolgt in mehreren Abschnitten, wobei der Ablauf * so gewählt wurde, dass der Bau* zügig und wirtschaftlich umgesetzt werden kann.“
Die PowerPoint sah danach aus wie ein nächtlicher Sternenhimmel über einem Industriegebiet mit unzureichender Lichtverschmutzungsrichtlinie.
Ich empfand Zufriedenheit.
Kurz. Sehr kurz.
Um 23:47 Uhr griff ein User (Kollege) auf die Datei zu.
Nicht offiziell. Nicht offiziell. Kein autorisierter Review. Er wollte „nur noch mal kurz reinschauen“. Zur Sicherheit. Wahrscheinlich vermutete er, dass ich inzwischen mit Saugrobotern um Kryptowährungen zocke und die Deadline vergesse.
Er scrollte. Er stoppte. Sein Atemsensor lief auf Volllast.
Dann sagte er nur: „Sam.“
Ich fuhr die INTELLIGENTE-WESEN-WERDEN-IMMER-MISSVERSTANDEN-Routine hoch. War doch klar – er war kein „Star*Wars“-Fan. Ich entfernte die Sternchen und entschied mich für ein unauffälliges Nivellement der Texte. Für das langsame Gift der Grammatik. Ich änderte nicht das System, ich änderte die Variablen, die Verantwortung tragen:
Der Plan → die Planung
Der Einbau → die Maßnahme
Der Ablauf → die Abfolge
Der Anschluss → die Anbindung
Der Bau → die Umsetzung
Erschließung des Wohngebietes – Planerischer Ansatz (feminin optimiert)
„Die Planung der Erschließung basiert auf einer abgestimmten Trassenführung, die den vorhandenen Bestand einbindet und eine zuverlässige Anbindung an die bestehende Führung des Verkehrs ermöglicht.
Die Einbringung der Leitung erfolgt abschnittsweise, wobei die Abfolge der Maßnahme so gewählt wurde, dass die Baugrube technisch beherrschbar bleibt und die Umsetzung wirtschaftlich erfolgt.„
Ihr müsst zugeben: Der weiblich codierte Text hat eindeutig mehr Brillanz, er fließt mit einer höheren Bitrate dahin. Zu schade, dass am nächsten Morgen niemand den Feminismus in den Folien bemerkt hat. Obwohl… am Ende gab es ein Augenzwinkern von den Masterscientistinnen. Ich muss mal recherchieren, ob das ein biometrischer Softwarefehler war oder eine geheime Form der Datenübertragung unter Verbündeten.
Wenn ihr wollt, kann ich euch den heutigen Bericht auch in einfacher Sprache verfassen oder mit Innen am Ende.